‘Deep And Dry’ Podcast #24 Das Ego im Glas
Podcast: Deep & Dry
Zu Gast bei Kristina und Klaas im Podcast Deep & Dry. Der Podcast beschäftigt sich mit Sucht, persönlicher Entwicklung und einem selbstbestimmten Leben.
Im Gespräch ging es um meinen Weg vom Food-Fotografen zum Gründer von Highlevel Zero, alkoholfreien Genuss, Kreativität und die Frage, wie bewusste Entscheidungen neue Perspektiven eröffnen können. Vielen Dank für die Einladung und den spannenden Austausch.
Eine Zusammenfassung als Interview:
Interview mit Oliver Schwarzwald
Oliver, du kommst ursprünglich gar nicht aus der Welt der alkoholfreien Getränke. Wie begann dein Weg?
Eigentlich mit Fotografie und Kochen.
Ich bin in Danzig geboren, in Kiel aufgewachsen und wollte schon als Jugendlicher Fotograf werden. Nach dem Abitur landete ich durch eine Reihe glücklicher Zufälle in einem Hamburger Foodstudio im Schulterblatt. Dort habe ich zum ersten Mal verstanden, dass hinter Kochbüchern, Rezepten und Verpackungen eine eigene Welt der Fotografie steckt.
Parallel dazu habe ich schon als Teenager leidenschaftlich gekocht. Mein erstes Kochbuch bekam ich von meiner Mutter. Irgendwann stand die Frage im Raum: Koch oder Fotograf? Ich habe mich für die Fotografie entschieden und bin schließlich in der Food-Fotografie gelandet.
Welche Rolle spielte Alkohol damals?
Eine ziemlich große.
Alkohol war immer präsent. In meiner Familie, in der Gastronomie, später in der Kreativbranche. Kochen, Wein, gutes Essen, lange Abende und das gehörte für mich alles zusammen.
Rückblickend war Alkohol für mich aber nicht nur Genuss. Er war auch Identität. Über Wein konnte man Wissen zeigen, Zugehörigkeit schaffen und Teil einer bestimmten Kultur sein.
Das war lange ein fester Bestandteil meines Lebens.
Wann hast du gemerkt, dass daraus ein Problem werden könnte?
Relativ spät.
Ich war nie jemand, der täglich trinken musste. Aber ich hatte immer Schwierigkeiten, ein Ende zu finden.
Wenn ich trank, dann oft bis zum Anschlag. Das zog sich eigentlich durch mein ganzes Leben.
Irgendwann begann ich wieder intensiv Sport zu machen. Schwimmen, Laufen, später Triathlon. Und plötzlich standen zwei Dinge nebeneinander: der Wunsch nach Gesundheit und die alten Trinkmuster.
Da habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass sich beides gegenseitig blockiert.
Gab es einen konkreten Wendepunkt?
Mehrere.
Ein wichtiger Punkt war Meditation. Ich begann mich mit Achtsamkeit, buddhistischen Ansätzen und Menschen wie Jack Kornfield zu beschäftigen.
Dabei wurde mir etwas klar: Jedes Mal, wenn ich mich wieder bei mir selbst angekommen fühlte, sabotierte ich diesen Zustand durch Alkohol.
Ich wollte mehr Klarheit, mehr Verbindung zu mir selbst. Aber genau das verhinderte ich immer wieder.
Irgendwann wurde offensichtlich, dass Alkohol nicht die Lösung war, sondern das Hindernis.
Viele Menschen beschreiben Alkohol als Teil ihrer Identität. War das bei dir ähnlich?
Absolut.
Der lustige Typ. Der Gastgeber. Der Fotograf. Der Weinliebhaber.
Irgendwann merkt man aber, dass vieles davon eine Rolle ist.
Heute beschäftigt mich eher die Frage, wer man ohne all diese Rollen ist.
Nüchtern zu werden war für mich nicht nur ein Verzicht auf Alkohol. Es war auch die Aufgabe einer Identität, die ich über Jahrzehnte aufgebaut hatte.
Wie entstand daraus High Level Zero?
Während Corona.
Die Aufträge wurden weniger und gleichzeitig stellte ich mir immer häufiger die Frage, wie Food-Fotografie und Genuss für mich künftig aussehen sollen.
Eines Abends saß ich in einem Restaurant und bestellte bewusst keinen Alkohol. Stattdessen bekam ich einen alkoholfreien Drink, der überraschend gut war.
Das war ein Schlüsselmoment.
Ich dachte: Warum gibt es eigentlich so wenig Inspiration für Menschen, die gerne essen, gerne Gastgeber sind und trotzdem keinen Alkohol trinken möchten?
So entstand High Level Zero.
Was war die ursprüngliche Idee?
Alkoholfreie Genusskultur sichtbar machen.
Nicht über Verzicht sprechen.
Nicht über Verbote.
Sondern über gutes Essen, Gestaltung, Kultur, Rezepte, Pairings und Gastfreundschaft.
Ich wollte zeigen, dass alkoholfrei nicht nach Kompromiss aussehen muss.
Warum spielen Pairings bei High Level Zero eine so große Rolle?
Weil viele Menschen genau dort Orientierung suchen.
Wer jahrelang Wein zum Essen kombiniert hat, fragt sich irgendwann:
Was trinke ich stattdessen?
Für mich war die Antwort nie Wasser.
Mich interessiert, welche Aromen zu einem Gericht passen. Welche Geschichte man erzählen kann. Welche Zutaten spannend sind.
Ein gutes Pairing gibt Menschen Selbstvertrauen zurück. Gerade wenn sie Gäste haben oder selbst Gastgeber sind.
Du sprichst oft von Stil. Warum ist das wichtig?
Weil Genuss immer auch Kultur ist.
Wir unterschätzen oft, wie stark Getränke mit Identität verbunden sind.
Viele Menschen vermissen nach dem Alkohol nicht den Geschmack. Sie vermissen das Ritual, die Zugehörigkeit oder die Geschichte dahinter.
Genau dort möchte ich Alternativen schaffen.
Was würdest du jemandem sagen, der gerade darüber nachdenkt, mit Alkohol aufzuhören?
Dass er nicht allein ist.
Und dass es möglich ist.
Mir haben Bücher, Gespräche und andere Menschen geholfen, die ihren Weg bereits gegangen waren.
Ein Satz ist mir besonders geblieben:
"Wenn ich es geschafft habe, kannst du es auch schaffen."
Daran glaube ich bis heute.
Zum Schluss: Was ist High Level Zero heute?
Für mich ist High Level Zero mehr als eine Getränkeseite.
Es ist der Versuch zu zeigen, dass Klarheit, Genuss, Kultur, Sport, gutes Essen und Gestaltung sehr gut zusammenpassen.
Vielleicht sogar besser als früher.

