Editor’s Notes
Von Culture Club zu Club Culture und zurück zu Culture Club
Text & Collage:
Oliver Schwarzwald
Editorial #12
Culture Club
Ich bin mit Culture Club aufgewachsen. Der Band mit dem unverwechslbarene Frontman Boy George. Faszinierend war nicht nicht nur seine Stimme sondern gnaz besonders auch diese Selbstverständlichkeit, anders zu sein.
Die Achtzigerjahre waren bunt, nicht sparsam mit Versprechen einem Hang zu großzügiger Übertreibung. Das gehörte zum Paket.
Man musste das nicht mögen, aber man kam kaum daran vorbei. Das hat mich geprägt, ob ich wollte oder nicht. Die Versprechen der Konsumgesellschaft waren programmiert.
Club Culture
Ganz logisch schloss sich dann die Club Culture nahtlos an. Nicht als Ehrfahrungsbericht aus kostenlosen Trendmagazinen, sondern als neue Lebensrealität. Nächte in Clubs, die Love Parade, dieses Gefühl, dass alles gleichzeitig passiert und man besser dabei sein sollte.
Alkohol war kein Thema, sondern fester Bestandteil der Infrastruktur. So wie die Schlangen vor der Garderobe, den Klos und der übertriebene Bass.
Ich erzähle das nicht aus Nostalgie. Eher aus Verwunderung.
Denn inzwischen spreche ich wieder von einem Culture Club. Nur meine ich diesmal etwas anderes.
Es geht nicht um die Band und um uneigelöste Versprechen. Auch nicht um einen weiteren Versuch, Menschen zu erklären, warum sie im Januar plötzlich bessere Versionen ihrer selbst sein sollen. Den Dry January habe ich hier schon kommentiert. Wer möchte, kann das nachlesen.
Was mich interessiert, ist grundsätzlicher. Alkohol war jahrzehntelang der Standard, auf den man sich nicht einigen musste, weil er gesetzt war. Beim Essen. Beim Ausgehen. Beim Einladen. Beim Feiern. Man hat nicht gefragt, ob, sondern nur was. Nicht trinken war nicht normal. Auswege? Wenige.
Und genau das beginnt sich zu verschieben. Eine neue Trinkultur wird zunehmend selbstverständlich.
Culture Club Vol. 2
Allmählich haben wir etwas anderes im Glas. Wir sprechen anders über Alkohol. Gastgeber:innen müssen nichts mehr erklären. Viele merken: Es fehlt nichts, außer vielleicht der Automatismus.
Das ist der eigentliche kulturelle Wandel: Alkohol verliert allmählich seinen Status als Default.
Ich finde es, bei aller Ironie, ziemlich passend, dass jemand, der mit Culture Club sozialisiert wurde und später tief in der Club Culture gelandet ist, heute einen anderen Culture Club beschreibt. Kein Bruch, eher eine saubere Schleife.
Boy George möge es mir nachsehen: Heute geht es nicht um Anders sein sondern um eine neue Selbstverständlichkeit.
Culture Club 2.0? Ja das wollen wir.
Karma Chameleon! Oliver Schwarzwald
‘Prost Pro- paganda’
Bacardi-Insel war gestern: Schluss mit dem ‘Kleiner Bruder’-Image.Alkohol verkauft uns Lifestyle – seit Jahrzehnten. Zeit, das Spiel umzudrehen.
‘Dry January’
Dry January: Augenrollen und öde Selbstversuche. Genau das brauchen wir um aus der Komfortzone zu kommen. Bereit, genervt zu bleiben?
‘Brad Pitt, wir müssen reden’
Eine Botschaft, ein Gin, ich bin verwirrt!
‘Kitchen war für mich impossible’
Zum Glück bin ich nie Koch geworden.
‘Der
lustige Pole’
Der lustige Pole – jahrelang mein Markenzeichen. Doch ein Moment, ausgerechnet in meinem Heimatland, brachte alles ins Wanken.
‘Hello Highlevel Zero’
Warum nehme ich etwas in Kauf, das mir am nächsten Tag nicht guttut … und ahnte nicht, wie sehr das alles verändern würde.
‘Normalize Sobriety’
Nüchternheit als neue Eleganz: Warum erfordert der Verzicht auf Alkohol immer noch eine Erklärung?
‘Trocken-
übung’
Laufen oder Saufen – jahrelang mein extremes Spiel. Doch irgendwann kippte das Gleichgewicht!
‘Rausch gehört zum Leben’
Wer sagt denn das?

